Ariane ist ein spezialisiertes Tool für die forensische Analyse, das gezielt auf die Bedürfnisse von Strafverfolgungsbehörden zugeschnitten ist.

Ariane ermöglicht es Ermittlern, eine Kamera anhand ihres einzigartigen PRNU-Fingerabdrucks eindeutig zu identifizieren und so die Herkunft von Bild- und Videomaterial zu verifizieren.

Technischer Workflow für die Vor-Ort-Ermittlung
Der Kern von Ariane ist ein zweistufiger Prozess, der es Ermittlern vor Ort ermöglicht, eine schnelle, direkte und überprüfbare Verbindung zwischen einem physischen Gerät und den darauf gespeicherten oder damit aufgenommenen Mediendateien herzustellen.

Geräteregistrierung („Enrollment“)
Um ein sichergestelltes Gerät (z. B. ein Smartphone) als Beweismittel zu nutzen, registriert der Ermittler es zunächst. Dazu werden mehrere Referenzfotos mit der Kamera des Geräts aufgenommen. Ariane berechnet aus diesen Referenzfotos den stabilen PRNU-Fingerabdruck der Kamera und speichert diesen sicher ab. Das Gerät ist somit als eindeutig identifizierbare Quelle im System registriert („enrolled“).

Analyse und Klassifizierung von Mediendateien
Der Ermittler kann anschließend beliebige weitere Fotos und Videos hochladen – sei es aus dem Fotoarchiv des sichergestellten Geräts oder aus anderen Quellen. Ariane vergleicht jede Datei mit dem zuvor erstellten Fingerabdruck. Das Ergebnis ist eine klare Klassifizierung: Die Datei wurde entweder mit der registrierten Kamera aufgenommen oder stammt von einem anderen Gerät. Dieser Prozess ermöglicht nicht nur die Verifizierung von Beweismitteln, sondern deckt auch komplexe Täterstrategien auf.

Drei Anwendungsbeispiele für Ariane

1. Täteridentifizierung und Beweissicherung:

  • Szenario: Bei einer Razzia werden mehrere Smartphones beschlagnahmt. Auf einem Gerät (Gerät A) werden belastende Fotos einer Straftat gefunden.
  • Einsatz von Ariane: Die Ermittler erfassen das Kameramaterial von Gerät A. Anschließend laden sie alle auf Gerät A gefundenen Fotos zur Analyse hoch. Ariane klassifiziert jedes Foto. Alle als „von Gerät A stammend“ identifizierten Fotos gelten als unwiderlegbar mit diesem physischen Beweismittel verknüpft. Fotos, die als „von einem anderen Gerät stammend“ markiert sind, deuten darauf hin, dass der Täter Material von Komplizen auf seinem Smartphone gespeichert hat.

2. Aufdeckung von Täternetzwerken und Geräte-Clustern:

  • Szenario: Es besteht der Verdacht, dass mehrere Verdächtige in einem Netzwerk agieren. Auf den Geräten verschiedener Verdächtiger werden sich überschneidende Fotoarchive gefunden.
  • Einsatz von Ariane: Die Ermittler registrieren die Kameras aller beschlagnahmten Geräte (Geräte A, B, C usw.). Beim Hochladen von Fotoarchiven vergleicht Ariane jede Datei nicht nur mit dem Fingerabdruck des Geräts, auf dem sie gefunden wurde, sondern auch mit der gesamten Datenbank der registrierten Geräte. Wenn ein auf Gerät A gefundenes Foto eindeutig der Kamera von Gerät B zugeordnet wird, stellt dies einen forensischen Beweis für eine direkte Verbindung zwischen den beiden Verdächtigen dar.

3. Überprüfung und Authentifizierung von Beweismitteln:

  • Szenario: Ein Gericht muss entscheiden, ob ein belastendes Video echt ist oder manipuliert wurde, um einen Angeklagten zu belasten.
  • Einsatz von Ariane: Das Video wird auf PRNU-Konsistenz geprüft. Wenn der Video-Fingerabdruck inkonsistent ist oder nicht mit der Kamera übereinstimmt, mit der es angeblich erstellt wurde, kann seine Authentizität widerlegt werden. Umgekehrt kann ein konsistenter PRNU-Fingerabdruck, der zu einer registrierten Kamera passt, die Glaubwürdigkeit des Beweismittels stärken.

Dezentrale Forensik für die Ermittlungsquelle
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ariane dezentral eingesetzt werden kann, wodurch forensische Kameraanalysen direkt, schnell und unkompliziert im Feld durchgeführt werden können. Im Gegensatz zu zentralen forensischen Einheiten ermöglicht Ariane den ermittelnden Beamten eine sofortige Analyse vor Ort, was zu einer erheblichen Zeitersparnis führt. Gleichzeitig entlastet Ariane die Forensik-Experten in der „Zentrale“, indem es als effizienter Filter dient und Routineprüfungen ermöglicht. Experten können sich so auf komplexe Fälle konzentrieren. Dieses skalierbare Modell macht die Ermittlungsarbeit agiler, weniger abhängig von Kapazitätsengpässen und letztlich effektiver. Ariane verlagert somit die Forensik von der zentralen Einheit direkt an die Ermittlungsquelle.

Du möchtest mehr über Ariane erfahren?